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Windows-Aktivierung - Erschienen am 14. November 2007
Die
Geheimnisse der Windows-Aktivierung
Ohne Produktaktivierung schaltet sich Windows Vista ab. (Quelle:
T-Online)
Jeder Windows-Käufer kennt es: Wer seine legal erworbene Kopie des
Betriebssystems nutzen möchte, muss die Installation über das
Internet aktivieren. Doch was steckt hinter diesem Vorgang, welche
Informationen werden übermittelt? Spioniert der Software-Riese gar
seine Kunden aus? Wir bringen Licht ins Dunkel und verraten ihnen,
was Microsoft wirklich von Ihnen weiß.
Die Windows-Aktivierung ist Microsofts groß angelegter Versuch, den
zahlreichen Software-Piraten mit ihren teils perfekt gefälschten
Windows-CDs Paroli zu bieten. Der Konzern ist in der Defensive und
muss ständig auf die immer neuen Knackmethoden der Hacker reagieren.
Für die Redmonder ist Windows schließlich lebenswichtig, und die
neueste Version Vista hat gigantische sechs Milliarden Dollar an
Entwicklungskosten verschlungen. Deshalb lanciert der Software-Riese
nach jedem bekannt gewordenen Hack eine hektische Gegenmaßnahme –
die Verlierer in diesem Katz-und-Maus-Spiel sind die ehrlichen
Kunden.
Windows ist leichtes Opfer für Piraten
Bevor Windows XP auf den Markt kam, hatten es Raubkopierer besonders
einfach. Damals verließ sich Microsoft vor allem auf
Kopierschutzmaßnahmen: Die Installations-CDs sollten sich nicht
vervielfältigen lassen, der Schutz war für findige Hacker jedoch
kein Problem und schnell überwunden. Um die illegale Kopie zu
installieren war daher nur eine Seriennummer nötig – die ließ sich
ganz einfach aus dem Internet beziehen und konnte für beliebig viele
Installationen verwendet werden. Mit Windows XP verlagerte Microsoft
deshalb den Kopierschutz von der CD auf die Festplatte. Jede
Installation sollte fortan automatisch über das Internet an
Microsoft gemeldet werden, das installierte Windows sollte danach
nur noch auf dem so authentifizierten Rechner laufen. Das
Betriebssystem sollte nur noch auf einem Rechner gleichzeitig
installierbar sein, eine unrechtmäßige Verbreitung in Tauschbörsen
sollte damit unmöglich werden. Der Gegenschlag der Hacker ließ
jedoch nicht lange auf sich warten.
Aktivierung als Allheilmittel gegen Raubkopien
Den zahlreichen professionellen Piraten im Netz gelang es schnell,
Windows einfach von der Aktivierung abzuhalten. So konnten auch
weiterhin raubkopierte Versionen problemlos verwendet werden. Für
Microsoft ein herber Schlag, sollte die neue Strategie doch endlich
den Raubkopierern das Handwerk legen. Deshalb verlegte sich der
Konzern mit Windows Vista auf eine weitere Verschärfung seiner
Maßnahmen: Wird das System nicht innerhalb eines bestimmten
Zeitraums installiert, fahren sämtliche Funktionen herunter. Dem
Anwender steht nur noch ein Browser mit Zugang zu den
Internet-Seiten von Microsoft zur Verfügung – um die Aktivierung
nachzuholen.
Doppelschlag mit "Windows Genuine
Advantage"
Aber auch nach der Aktivierung setzt Microsoft seine Kunden einer
ständigen Überwachung aus. Unter dem Label Windows Genuine Advantage
(WGA) überprüfen kleine Tools regelmäßig, ob das installierte
Windows legal und ordnungsgemäß erworben worden ist. Gelingt diese
Prüfung nicht, können wichtige Updates und Programme wie der
Internet-Explorer nicht mehr heruntergeladen werden. Auch für Vista
beginnt der Countdown von Neuem – eine weitere Abschaltung droht.
Kunden müssen Kontakt mit der Hotline von Microsoft aufnehmen, um
dann noch ihr System nutzen zu können. Mit diesem Doppelschlag aus
Aktivierung und ständiger Überwachung der Legalität will Microsoft
der steigenden Flut von Raubkopien endlich Herr werden – gängelt
aber vornehmlich seine Kunden. Für die ist der Vorgang der
Aktivierung nämlich völlig undurchsichtig. Die bangen Fragen lauten:
Was verrät mein System Microsoft über mich, und wann droht mir eine
Abschaltung?
So funktioniert die Windows-Aktivierung
Die Idee hinter die Windows-Aktivierung: Das Verfahren soll eine
Windows-Kopie bei der Installation eindeutig einem Computer
zuordnen. Dazu liest das zugehörige Tool Hardware-Details sowie die
Seriennummer der installierten Windows-Version und sendet die Daten
an Microsoft-Server. Dort wird zunächst gecheckt, ob die
Seriennummer bereits für eine Aktivierung verwendet wurde – nur wenn
das nicht der Fall ist, akzeptieren die Server die Windows-Version
als legal und geben grünes Licht für die Freischaltung. Dann wird
die Seriennummer in einem eindeutigen Profil zusammen mit den
Hardware-Daten bei Microsoft gespeichert. Dieses Profil wird
schließlich in regelmäßigen Abständen mit dem Rechner des Kunden
verglichen. Findet an der Hardware eine Veränderung statt, vergibt
das System dafür Punkte. Übersteigen diese Punkte eine vorgegebene
Grenze ist sich Windows nicht mehr sicher, ob es noch auf dem selben
Rechner installiert ist und fordert eine erneute Freischaltung.
Aktivierung, Registrierung und Datenschutz
Schaut Microsoft mit der Produktaktivierung durchs Schlüsselloch?
(Quelle: T-Online)
Die von der Aktivierung gespeicherten Daten beziehen sich dabei
allein auf die Hardware des eingesetzten Computers. Hier liegt auch
der Unterschied zu der altbekannten Registrierung: Das
Aktivierungsprofil verbindet ein Hardwareprofil mit einer
Windows-Seriennummer, während bei der Registrierung der Kunde unter
seinem Namen meldet, dass er ein Microsoft-Produkt besitzt und dafür
Informationen oder Support haben will. Die Aktivierung ist Zwang,
die Registrierung hingegen ist freiwillig und wird mit verschiedenen
Leckerbissen wie exklusiven Angeboten und personalisiertem Support
versüßt. Die Registrierung ist auch nicht Teil der
Anti-Piraterie-Maßnahmen von Microsoft – die daraus gewonnenen Daten
dienen wie bei anderen Softwareherstellern vor allem der
Marktforschung.
Datenkrake Microsoft?
Dennoch könnten sich angesichts der Datensammelwut in Redmond
gewisse Bedenken für den Datenschutz ergeben. Denn Microsoft, so die
Sorge, liegen nach Aktivierung und Registrierung alle wichtigen
Daten rund um die Computernutzung vor. Name und Kontakt des Kunden
sowie das gekaufte Produkt erfährt der Konzern über die
Registrierung, aus der Aktivierung lassen sich Daten über
Hardwarekonfiguration und -upgrades gewinnen. Zusammengenommen
ergäbe das für Microsoft einen ziemlich durchsichtigen Kunden.
Allerdings kann jeder frei entscheiden, ob er sich registrieren
möchte, und die Profildaten der Aktivierung sind anonym und lassen
sich kaum mit einem Registrierungsprofil, das ja nicht die
Seriennummer eines gekauften Produkts enthält, in Verbindung
bringen. Alles in allem ist die Angst vor der Datenkrake Microsoft
also nicht zu begründen.
Der ehrliche Kunde bleibt der Dumme
Viel schwerer wiegt jedoch die Gängelung für die ehrlichen Kunden.
Größere Hardware-Änderungen ziehen die zeitraubende Prozedur einer
erneuten Aktivierung per Telefon nach sich. Auch wer trotz aller
datenschutzrechtlichen Zusicherungen Microsoft seine Hardwaredaten
nicht preisgeben will, wird durch die Abschaltautomatik von Vista
zur Aktivierung gezwungen. Besonders ärgerlich für ehrliche Kunden:
Raubkopierer kommen ohne all diese Nachteile aus – die haben
mittlerweile wieder Wege gefunden, Windows illegal und ohne den
Zwang zur Aktivierung zu kopieren.
Bei der Installation von Windows
wird die jeweilige Kopie mit ihrer Seriennummer mit einem
Hardwareprofil des Rechners verknüpft. Die beiden Informationen
werden bei Microsoft gespeichert. Wird eine bereits aktivierte
Windows-Kopie erneut installiert, vergleicht Microsoft das
gespeicherte Hardwareprofil mit dem des Rechners, auf dem gerade
installiert wird.
Stimmt dieses Profil nicht überein,
kann die Aktivierung nicht erfolgreich beendet werden. Das System
wird in einen eingeschränkten Modus versetzt.
Die mehrfache Installation der
Windows-Kopie auf ein und demselben Rechner ist kein Problem,
solange das Hardwareprofil übereinstimmt. Kommt es zu größeren
Hardwareänderungen oder wechselt der Anwender seinen Computer
komplett aus, funktioniert die Aktivierung jedoch nicht mehr. Dann
muss über den telefonischen Support von Microsoft das Hardwareprofil
auf die neue Konfiguration umgestellt werden. |