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Wird das
Internet knapp?
Webpionier Vint
Cerf warnt vor dem Ende des Internets.
Zumindest, was die Menge der zur Verfügung
stehenden Zugänge angeht. Bereits 2010 sei der
Vorrat erschöpft. 17 Milliarden Computer müssten
sich dann 4,3 Milliarden IP-Adressen teilen.
Gegenüber der BBC erklärte die Internet-Ikone:
"Es besteht das Risiko, bald nicht mehr online
gehen zu können." Nur die Umstellung auf das
Internet-Protokoll der Version 6 (IPv6) würde
wieder für Platz im Web sorgen. (31.10.2007)
Das derzeit genutzte IPv4 ist den neuen
Anforderungen wie Videotelefonie und Fernsehen
über das Internet nicht gewachsen. Derartige
Anwendungen, die hohe Bandbreiten erfordern,
könnten nach Ansicht von Cerf zu einer
Überlastung des globalen Datennetzes führen.
Erst die Einführung des Nachfolgeprotokolls IPv6
versorge das Internet mit vielen Billionen
frischer Adressen – das wären mehr als der
Menschheit bekannte Sterne. Neben Cerf warnt ein
weiterer Internetpionier vor den Risiken der
"veralteten" Netzinfrastruktur. Larry Roberts,
Kollege von Cerf bei der Entwicklung des
Internetvorgängers ARPANET, warnt vor dem
Zusammenbruch des Internet - der Komplettabsturz
stehe unmittelbar bevor. In seiner heutigen Form
sei das Web aufgrund schlampiger Programmierung
und veralteter Technik nicht zu retten.
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Brisantes
Gemisch führt zum Internet-Overkill
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Larry Roberts prophezeit den
Zusammenbruch des Internet. (Foto:
lroberts.us)
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Larry Roberts
äußerte seine Bedenken auf einem Kongress der
König Abdullah Universität in Saudi Arabien,
auf dem internationale Internet-Fachleute über
die Zukunft des Webs diskutierten. Ein brisantes
Gemisch an schlecht programmierten
Datenübertragungs-Protokollen und 40 Jahre alter
Technik führe zum ultimativen Overkill. Roberts
selbst arbeitete in den1960er Jahren am
Internetvorgänger ARPANET des Pentagons.
"Seit 40 Jahren hat sich an der Infrastruktur
nichts geändert", erklärte der Wissenschaftler
gegenüber den Konferenzteilnehmern. Dagegen
stehe der dramatische Anstieg des Datenverkehrs,
der unter anderem durch Video-Portale und
illegale Tauschbörsen entstehe und zum
Zusammenbruch des Internets führe. "Wir haben
die Netzwerk-Forschung ignoriert, da wir davon
ausgingen, die Probleme seien gelöst. Das ist
aber nicht der Fall." Der Internet-Pionier
präsentierte jedoch Pläne, die den
Komplettabsturz verhindern sollen.
Priorisierung soll den Absturz verhindern
Roberts will den Zusammenbruch des Internets
durch die Priorisierung von Datenströmen
verhindern. Das massive Datenaufkommen, das
durch illegale Tauschbörsen entsteht, und
mittlerweile zu Spitzenzeiten 80 Prozent des
Internet-Verkehrs ausmacht, entzöge wichtigen
Diensten wie dem Notruf notwendige Bandbreiten.
In Roberts Konzept würden diese Dienste
bevorzugt behandelt, um ein reibungsloses
Funktionieren zu gewährleisten und so die
Netzinfrastruktur zu entlasten. Von der
vorherrschenden Technik der Paketvermittlung
nimmt der Web-Pionier Abstand. So könne der
explodierende Daten-Verkehr nicht bewältigt
werden.
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Der
Datentransfer explodiert
In den nächsten
Jahren wird sich das übliche Transfervolumen
vervielfachen: Ein durchschnittlicher Surfer
konsumiert heutzutage ein bis drei Gigabyte pro
Monat. Durch die steigende Nutzung von Angeboten
wie IPTV, Internetradios und Tauschbörsen wird
das tägliche Transfervolumen Schätzungen zufolge
auf bis zu drei GB am Tag wachsen - ein
dramatischer Anstieg gegenüber der heutigen
Bandbreitennutzung. So macht eine Stunde Video
in etwa so viel Datenvolumen aus, wie ein
durchschnittlicher eMail-Account im Jahr
verbraucht. Die globale Webinfrastruktur ist
aber im Wesentlichen darauf ausgelegt,
eMail-Verkehr und das Anzeigen von
Internetseiten zu ermöglichen. Die Technik hinkt
den innovativen, aber datenintensiven Angeboten
hinterher.
Folgen für
die User
Die Folgen für den Internet-Benutzer können
recht unterschiedlich ausfallen. Verlangsamte
Verbindungsgeschwindigkeiten, ruckelnde Videos
und ein schleppender Seitenaufbau sind mögliche
Auswirkungen. Komplettausfälle von Servern, die
schlicht unter der Datenflut zusammenbrechen,
sind aber auch denkbar. Daneben könnten die
Verbindungskosten steigen, da der
durchschnittliche User wesentlich mehr
Datenvolumen verbrauchen wird.
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meisten Datenverkehr
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Filesharer
erzeugen den meisten Datenverkehr
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Vor allem Raubkopierer verbrauchen
große Bandbreiten. (Bild: dpa)
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Der meiste
Datenverkehr wird von Filesharern erzeugt.
Nutzer von Tauschbörsen machen aber lediglich
fünf Prozent der weltweiten Internetuser aus.
Die Unternehmensberatung Deloitte schätzt, dass
im Jahr 2007 durchschnittlich fast ein Drittel
des globalen Internetverkehrs auf den
Videotransfer innerhalb illegaler Tauschbörsen
fallen wird. Aber auch Fernsehsender, die
zunehmend ihre Sendungen online zur Verfügung
stellen, bringen die Online- Kapazität an ihre
Grenzen. So stellen die Öffentlich Rechtlichen
Sender immer mehr Sendungen ins Netz.
Verdopplung des Datenverkehrs in nur einem
Jahr
Es ist nicht verwunderlich, dass das
Transfervolumen des weltweit größten
Internethub, dem Amsterdam Internet Exchange (AMS-IX),
stetig steigt: Von einem Petabyte pro Tag im
Februar 2006 auf über zwei Petabyte in diesem
Jahr. Ein Petabyte sind eine Billiarde Byte,
soviel wie auf knapp eine Milliarde Disketten
passt. Aufeinander gestapelt würden diese
Disketten einen 4000 Kilometer hohen Turm
ergeben. |
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Baut Google
sein eigenes Netz?
Google scheint die Zeichen der Zeit bereits vor
einigen Jahren erkannt zu haben: Der
Internetriese baut sein eigenes Netz in den USA
auf. Mit diesem könnte Google dem beschriebenen
Engpass im Internet begegnen. Mit Hilfe von
lokalen Datenzentren und Glasfasernetzen soll
dies möglich werden. Dazu heuerte Google nach
Informationen des Journalisten Mark Stephens
Spezialisten an, deren Aufgabe es war, möglichst
viel Hightech in Schiffscontainern
unterzubringen. Diese mobilen Datenzentren
sollten dann dort als Knotenpunkte eingesetzt
werden, wo es zu Engpässen in der
Internetversorgung kommt.
Google
kontrolliert bereits Glasfaserleitungen
Sinnvoll ist dies aber nur dann, wenn Google
über die entsprechenden Glasfasernetze verfügt.
In den letzten Jahren hat Google weltweit
Glasfasernetze aufgekauft, um sich mit deren
Hilfe eine globale Netzinfrastruktur zu
schaffen. Diese brachliegenden Glasfasernetze
wurden während der Internetboom-Phase Ende der
90er Jahre aufgebaut, aber nach dem Dotcom-Crash
nie benutzt. Stephens Angaben zu Folge
kontrolliert der Suchmaschinenriese mittlerweile
mehr Glasfaserleitungen als irgend eine andere
Einrichtung weltweit.
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Wie ausfallsicher ist das
Netz?
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Bild großklicken
Durch Computerkabel
laufen immer größere
Datenmengen. (Foto:
T-Online)
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Der Internetverkehr steigt also
in einem enormen Tempo - zurzeit
um über sieben Prozent im Monat.
Dies liegt neben dem höheren
Datenvolumen pro Nutzer aber
auch an der stetig wachsenden
Zahl von Surfern. Im Jahre 2006
wurde erstmals die eine
Milliarde-Marke geknackt. Grund
zur Panik? Die Antwort lautet
nein, wenn man dem
Gelsenkirchener Informatiker
Stefan Dierichs glauben schenken
mag. Ihm zufolge laufen die
Datenströme zurzeit relativ
frei, der normale User müsse
weder unter einem Zusammenbruch
des Netzes noch unter
verstopften Leitungen leiden.
"Der einzelne User wird
nichts merken"
Dierichs hat am Institut für
Internet-Sicherheit in
Gelsenkirchen untersucht, wie
ausfallsicher das Netz ist. Sein
Fazit schafft Erleichterung: Die
bestehende Infrastruktur ist
durchaus robust. "Der einzelne
User wird nichts merken",
versichert er gegenüber der
Süddeutschen Zeitung. Es könne
lediglich während Stoßzeiten zu
leichten Verlangsamungen kommen.
Doch die Provider versuchten
stets, immer einen Schritt
weiter zu sein, um die
Servicequalität
aufrechtzuerhalten.
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