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Neustart des Internets
Der Welt steht eine völlige Umstrukturierung des
Internet bevor. Wenn es nach den besten Köpfe der
Informatik-Szene geht, muss ein komplett neues Netz
her. Die Forscher fordern einen radikalen Kaltstart,
um bestehende Probleme zu lösen. Unter ihnen ist
auch der "Vater des Internets", Vinton Cerf. Ihm
zufolge genüge die heutige Technik "längst nicht
allen Ansprüchen". Vor allem der Mangel an
integrierten Sicherheitsvorkehrungen in der
Web-Architektur bereitet den Forschern
Kopfschmerzen. Hintergrund ist eine veraltete
Technik, die aus einer Zeit stammt, in der
Web-Bedrohungen wie Spam, Trojaner und
Phishing-Seiten nicht existierten. Ziel soll es
sein, diese Sicherheitsrisiken möglichst
einzudämmen.
"Ein Wunder, dass das Netz noch funktioniert"
Professor Dipankar Raychaudhuri von der Rutgers
Universität im US-Bundesstaat New Jersey hält es für
ein Wunder, dass das Netz noch funktioniert. Es sei
unter vollkommen anderen Gesichtspunkten entstanden,
als unter denen das Netz heute genutzt werde. Die in
den 60er Jahren entstandenen Internet-Protokolle
sollten die Kommunikation zwischen Universitäten und
Regierungsbehörden erleichtern. Das Internet war vor
allem eine Übertragungseinrichtung von
Wissenschaftlern für Wissenschaftler – an YouTube
und Co. dachte damals noch niemand. Ziel war es,
Daten zu befördern. Ob diese Daten bösartige
Trojaner oder nur eine Terminvereinbarungen
enthielten, war bei der Entwicklung des globalen
Netzes unerheblich. Heutzutage werden Webschädlinge
aber immer mehr zu einem Problem, da diese die
Schwachstellen des globalen Netzes zu kriminellen
Zwecken ausgenutzt werden.
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Milliarden verschlingen
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Radikaler Wandel wird Milliarden
verschlingen
Als das Internet entwickelt wurde, waren die
Computer groß und langsam, Speicherplatz sehr teuer
und Verbindungen unzuverlässig. Für Dipankar
Raychaudhuri ist nun die Zeit gekommen, die
Internetarchitektur zu erneuern. Dies würde zwar
Milliarden an Investitionen verschlingen, da
Hardware ausgetauscht und Abermillionen
Programmzeilen neugeschrieben werden müssten. Der
Aufwand aber lohne sich: Das Ergebnis sei ein
verbessertes Internet, das bestehende Verbindungen
viel effizienter nutze.
Internet ist eine komplexe und unübersichtliche
Angelegenheit
Das heutige Internet ist ein riesiger
Flickenteppich, der vor Mängeln nur so wimmelt. Im
Laufe der Jahre sind so viele neue Anwendungen und
Hilfskonstruktionen auf das ursprüngliche System
aufgepfropft worden, das aus einer ursprünglich
simplen Kommunikationstechnologie eine überaus
komplexe und unübersichtliche Angelegenheit
entstanden ist. David Clark, einst leitender
Protokollarchitekt des Internet und heute Professor
am renommierten Massachusetts Institute of
Technology (MIT), erklärte gegenüber dem
Wissenschaftsmagazin Technology Review, welches Ziel
eine Weiterentwicklung des Internet seiner Meinung
nach haben solle: "Wir müssen alle existierenden
Technologien so kombinieren, dass wir ein
grundsätzlich anderes System erhalten." Doch wie
soll dieses System aussehen?
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Motivation für einen Neuentwurf"
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Neuentwurf soll mehr Sicherheit
bieten
David Clark hat konkrete Vorstellungen, wie das neue
System auszusehen hat und plädiert für eine radikale
Lösung. Vor allem anderen sei ein größeres Maß an
Sicherheit die "wichtigste Motivation für den
Neuentwurf". Zudem sollten die Internet-Protokolle
eine größere Praxisnähe bieten, sodass
fortschrittlichere Dienste angeboten sowie eine
bessere Steuerung der Datenströme ermöglicht werden
könnten. Zudem solle eine neue Technologie die
Verwaltung des Netzes erleichtern und dieses
widerstandsfähiger machen. Die von Clark
formulierten Ziele liegen keinesfalls in weiter
Ferne: Verschiedenste Einrichtungen beschäftigen
sich bereits mit der Entwicklung des Netzes von
Morgen.
Tipps zum Durchklicken
Was Sie über Google noch nicht wussten
Experimentelle Netze und neue Software sind im
Entstehen
Die National Science Foundation arbeitet an einem
experimentellen Netz mit dem Namen Global
Environment for Network Innovations (GENI). Mit im
Boot sind renommierte US-Universitäten wie die
Rutgers Universität, Princeton oder das MIT. Aber
auch die US-Armee und das europäische Future
Internet Research and Experimentation (FIRE) haben
ähnliche Konzept auf ihrer Agenda. Einige
Technologien sind bereits entwickelt: So wird
heutigen Routern eine Hightech-Software aufgestülpt,
die den Datenstrom nach Schädlingen durchsucht und
im Zweifelsfall aktiv warnt. Andere Programme beugen
einem möglichen Datenstau vor, indem sie den Verkehr
umleiten.
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Wann kommt das
neue Netz?
GENI plant mit seinem Ansatz Clean
Slate den schrittweisen Aufbau einer
neuen Netzstruktur. Diese könnte
zunächst parallel zum heutigen
Internet entstehen und das aktuelle
Web nach und nach ersetzen -
frühestens aber in 15 Jahren. Die
Forschung stecke schließlich noch in
den Kinderschuhen. Zudem sei der
Kostenfaktor nicht zu unterschätzen.
Guru Parulkar von der Stanford
Universität beziffert die Kosten
alleine für den
GENI-Forschungsaufwand auf über 350
Millionen Dollar, die restlichen
Projekte werden auf zusammen 300
Millionen veranschlagt. Eine gute
Investition findet Jonathan Zittrain,
Professor an den Universitäten
Oxford und Harvard: "Das Internet
ist für viele absolut
überlebenswichtig."
Zweifel an einem
Internet-Neustart
Leonard Kleinrock, einer der Urväter
des Internets, bezweifelt eine
baldige Umsetzung der neuen
Konzepte. Wie das amerikanische
Wissenschaftsmagazin Physorg
berichtet, denkt der Professor von
der UCLA nicht, dass zu seinen
Lebzeiten ein Internet-Neustart
vollzogen wird: "GENI wird das
Internet bestimmt nicht ersetzen,
aber viele Entwicklungen werden wohl
irgendwann dort Eingang finden." |
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